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Chronik:
Architektur und einstige Innenausstattung

Errichtet wurde St. Joseph nach den Plänen des Stuttgarter Kirchenbaumeisters Hans Herkommer, der bereits die katholische Kirche der Nachbargemeinde Neuenbürg und die bekannte Frauenfriedenskirche in Frankfurt erbaut hatte. Seine neue Bauweise durch strenge kubische Formen eine Kirche zu schaffen, die sich in Klarheit und Einfachheit präsentiert, fand unter seinen Anhängern viel Bewunderung. Sie nannten seine Bauten eine „Poesie aus Eisen und Beton“. Kritiker hingegen deuteten die fast asketische Einfachheit oft als Nüchternheit.

Von außen zeigt sich St. Joseph in einfacher, rhythmischer Gliederung. Mit dem fast flachen Dach wollte man sich zunächst dem Dorfbild, insbesondere aber der benachbarten evangelischen Kirche mit ihrem Turm im italienischen Stil, anpassen.

Im Grundriss ist die Kirche 28m lang und 11m breit. Der seitlich angebrachte Turm ist 18m hoch und wird von einem 5m hohen goldenen Kreuz überragt. (Das Kreuz wird in den Abendstunden erleuchtet und setzt einen schönen Akzent im abendlichen Dorfbild. Am besten ist es von den Nebenstrassen unterhalb des Bühl zu bewundern.)

Kirche: Ostansicht

Beim Betreten der Kirche steht sofort der Altarraum im Mittelpunkt. Er ist von überall sichtbar, dank Herkommers neuartiger Bauweise ohne Säulen und Stützen auszukommen. Dazu erstellte Hans Herkommer zunächst ein Stahlskelett, das mit Bimshohlsteinen ausgemauert wurde und dessen Hauptbinder, sowie die Decke, mit Heraklithplatten verkleidet wurden. Der so genannte Stahlskelettbau enthielt zwei starke eiserne Längsbinder statt der bisher bekannten Querbinder. Der zielgerichtete Blick nach vorne wurde durch den Verzicht auf ablenkendes Zierwerk unterstützt. Eine dunkle Färbung der Chorrückwand mit der Inschrift DEIN HEIL BIN ICH neben einem Bild des gekreuzigten Christus verstärkte diese Raumillusion und die schmalen seitlichen Fensterschlitze, ein typisches Merkmal von Hans Herkommer, gaben der Kirche eine gewaltige Höhenwirkung. Die Kombination von Bauweise und Lichtverhältnissen sollte Andacht und Stille ausdrücken. Alle Linien strebten himmelwärts. Die luftige querlaufende Holzdecke, mit Farbe belebt, war frei von der drückenden Schwere anderer Kirchenbauten und lud zum Verweilen ein. Die Fenster – vom Stuttgarter Glasmaler Glücker – dienten nicht nur als Lichtquelle, sondern sollten durch ihre farbliche Flächenwirkung ebenfalls dieses Gefühl der „Schwerelosigkeit“ ausdrücken. Von der einstigen Farbenpracht zeugen heute nur noch die Fenster an der Portalseite.

Die Kanzel war links auf der Höhe des Altares in einem Oval angebracht (heute steht dort der Ambo). Das Oval wiederholte sich in den seitlichen Deckengliederungen, in denen die Beleuchtungskörper als schlanke Zylinder angebracht waren. (Diese wurden durch die heutigen helleren und sparsameren Lampen ersetzt.)

Die beiden Seitenaltäre, links zu Ehren der Mutter Gottes, rechts zu Ehren des Heiligen Joseph und die Kommunionbank waren aus Travertin (Tuffgestein) und trugen Inschriften und Ornamente.

Bei der Weihe der Kirche im Jahre 1930 betonte der Weihbischof in seiner Rede ausdrücklich, wie wichtig für die Gesundung des Leibes auch die Gesundung der Seele sei. Er vertrat die Meinung, dass einer körperlichen Heilung, soll sich längerfristig Erfolg einstellen, die seelische Betreuung vorangehen musste. Und er war überzeugt, dass religiöses Innehalten, Stillewerden, Sich Geborgen fühlen und Aufgefangen sein einen Baustein in jeder Therapie bilden sollten. Heute wird diese ganzheitliche Heilungsmethode als etwas Selbstverständliches betrachtet. Wenn sich auch das Innenleben von St. Joseph seit Hans Herkommer verändert hat, so ist doch die Ausdrucksstärke, die jeden Besucher fasziniert, die gleiche geblieben.

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