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Chronik: Geschichtliche Entwicklung

Graf Adalbert II. von Calw besiedelt gegen Ende des 11. Jahrhunderts den Wald zwischen den beiden Flüssen Enz und Nagold mit den so genannten Waldhufendörfern. Dabei muss auch die Siedlung Schömberg entstanden sein. Im Jahre 1177 wird Schömberg erstmals in schriftlichen Quellen erwähnt, als Uta von Schauenburg, Gemahlin Welfs VI. und Gräfin von Eberstein, eine Erbtochter der Grafen von Calw, einen Teil der Waldhufendörfer in einer Schenkung an das Kloster Hirsau gibt. 1257 geht das Amt Liebenzell, zu dem auch Schömberg gehört, über in den Besitz der Markgrafen von Baden. Schon 1375 hört man von einer Kapelle mit dem Titel »Unser lieben Frau«, die später zur Kirche ausgebaut und erst im Jahre 1831 beim Bau der heutigen evangelischen Kirche abgebrochen wird.

Die Grafschaft Baden-Durlach wird bereits 1556 der evangelischen Konfession zugeführt und bestimmt so die konfessionelle Zuordnung Schömbergs. 1603 erwirbt der Herzog von Württemberg (Württemberg ist seit 1534 reformiert) das Amt Liebenzell von Baden.

Jahrhundertelang bleibt Schömberg ein kleines Waldhufendorf mit ärmlicher Bevölkerung und ausschließlich evangelischer Konfession. (Interessierten sei an dieser Stelle die Heimatstube, die sich zwischen Kirche und Rathaus befindet, empfohlen.) Eine große Wende ergibt sich für Schömberg als der Erfurter Kaufmann Hugo Römpler im Jahre 1888 durch einen Bekannten nach Schömberg geführt wird und das heilsame Reizklima für sein eigenes Lungenleiden entdeckt. Er kehrt mehrmals nach Schömberg zurück und erwirbt dann schließlich das Gasthaus »HIRSCHEN« als Ferienhaus. Einige Jahre später begründet er darin das erste Kurheim für Lungenkranke »Sanatorium«, dem die »Neue Heilanstalt« und das »Schwarzwaldheim« folgen.

Mit der Begründung des Kurortes kommen Kurgäste aus allen deutschen Gauen, insbesondere aus dem Rheinland und Westfalen, und aus ganz Europa nach Schömberg. Zeitweise sind mehr als 50% der Gäste katholisch, so dass die Einrichtung katholischer Gottesdienste zwingend notwendig wird. Das Direktorium des »Sanatoriums« wendet sich deshalb 1898 an den Königlich Katholischen Kirchenrat in Stuttgart und bittet um Abhaltung katholischer Gottesdienste in Schömberg. Erst in Räumen des »Sanatoriums«, später in verschiedenen privat angemieteten Räumlichkeiten wird zunächst 14-tägig die heilige Messe durch den Pfarrer von Wildbad gehalten. 1911 wird Robert Fischer Stadtpfarrer von Wildbad, der mit viel Energie das Ziel verfolgt, in Schömberg eine eigene katholische Kirche zu bauen. Ab 1913 wird nun zusätzlich zu den Messen an Sonn- und Feiertagen auch wochentags eine heilige Messe gefeiert.

Der 1. Weltkrieg lässt die Zahl der Kurgäste, auch aus dem Klerus, weiter ansteigen. Allmählich entsteht auch durch Ansiedlung eine kleine katholische Gemeinde, die den Bau einer eigenen Kirche fordert. 1916 stiftet ein Kurgast den ersten Baustein, der zusammen mit anderen Zuwendungen von Gästen, Gemeinde und »Sanatorium« einen Baufond von 6.845 Mark erreicht und leider 1918 der Geldentwertung zum Opfer fällt. Doch man lässt sich nicht entmutigen, ruft weiter zu Spenden auf und erwirbt 1925 in der Schwarzwaldstrasse ein Haus, das von Beginn an zu klein ist um Gäste und Einheimische zu fassen.

1927 kommt Stadtpfarrer Fischer seinem Ziel ein großes Stück näher. Der Gemeinderat unter Bürgermeister Gustav Herrmann beschließt der katholischen Gemeinde in Schömberg einen Bauplatz in dem Gewann »Stockäcker« unentgeltlich zu überlassen.

Am 05.07.1929 erfolgt der erste Spatenstich und am 15.09.1929 weiht General-Vikar Max Kottmann den Grundstein zu Ehren des Hl. Joseph. Aus dem Verkauf des 1925 erworbenen Hauses, Zuwendungen von Gemeinde und Sanatorien, Kurgästen und Einheimischen, dem Bischöflichen Ordinariat und dem Bonifatiusverein werden Gelder für den Bau der Kirche bestritten. Dem bekanntesten, aber auch umstrittensten Kirchenarchitekt seiner Zeit, Regierungsbaumeister Hans Herkommer aus Stuttgart, wird der Kirchenbau übertragen, der bis zur Fertigstellung eine Summe von 110.000,– Reichsmark verschlingt.

Am 29.05.1930 wird die Kirche durch Weihbischof Franz Joseph Fischer von Rottenburg geweiht. Schömberg besitzt nun eine eigene katholische Kirche, bleibt aber weiterhin Filiale von Wildbad, die durch den dortigen Pfarrer mitversorgt wird.

Erst 1952 wird Schömberg eine Seelsorgestelle mit einem Kuraten und ab 01.10.1968 eigenständige Pfarrei.

Kirche: Ostansicht
Kirche: Westansicht

Jahrzehntelang bleibt die Kirche St. Joseph nahezu unverändert. Am 08.06.1975 wird Schömberg mit dem ersten Pfarrer, Herrn Hans Hagenmaier, besetzt. Mit großem Aufwand wird eine grundlegende Innenrenovierung der Kirche begonnen und 1980 zum Abschluss gebracht. Auch außen wird die Kirche mehrmals renoviert (letztmalig 2000 und 2001), bleibt aber unverändert.

Im Jahre 1999 ändert sich die Innenansicht der Kirche nochmals, als man das Kirchenschiff in einen warmen Gelbton taucht und an den Deckenovalen die ursprüngliche Türkis-Farbe freilegt und erneuert.

Heute wird St. Joseph vom Landesdenkmalamt als erhaltenswert erachtet und darf in seiner Bauweise nicht mehr verändert werden.

Umgeben von streng evangelischen Kräften führt die katholische Kirchengemeinde zunächst ein Schattendasein. Auf Initiative von Herrn Pfarrer Hagenmaier entwickelt sich mit den Jahren ein reges Gemeindeleben mit diversen Veranstaltungen und Einrichtungen rund um das Kirchenjahr. Seine Kooperation mit der evangelischen Kirche verhilft der katholischen Kirchengemeinde in Schömberg zu Ansehen und eigener Identität. 1988 wird man den gewachsenen Bedürfnissen durch den Bau eines Gemeindehauses gerecht, das für jedermann offen steht und durch seine gemütliche Atmosphäre sehr einladend wirkt. Mittlerweile haben sich auch die einstigen Sanatorien und Privatheime für Lungenkranke in Kurkliniken und Alten- und Pflegeheime gewandelt. Seit 1990 ist Pastoralreferent Herr Karl Werner Binder als Kur- und Krankenseelsorger eingesetzt und betreut 4 Kliniken und 6 Heime.

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